Die Angebote der Kirchen in Bonn im Beethovenjahr 2020

Die Veranstaltung in der Schlosskirche war mit ca. 38 Personen gut besucht. 

Dr. Ernst Herttrich, der ehemaliger Verlagsleiter der Beethovenedition, hielt einen äußerst kenntnisreichen und tiefgründigen Vortrag mit einigen eindrücklichen Musikbeispielen. Er zeigte, wie viele religiöse Bezügen in Beethovens Werken zu finden sind. Seine Beschäftigung mit anderen Religionen und Konfessionen hielt ihn aber nie davon ab, ein "guter Katholik" zu bleiben, auch wenn er in der Wiener Zeit nur noch selten eine Kirche besuchte. Vielleicht hatte er in den 10 Jahre als Hoforganist so viele Gottesdienste besucht, dass er in Wien weniger Neigung empfand. Auf die "Missa Solemnis" ging Herttrich ausführlich ein. Die gründliche Vorbereitung, das breite Wissen, das sich Beethoven aneignete, um ein kirchliches Werk zu schreiben, waren enorm. Im 19. Jahrhundert halt sie und nicht die Sinfonien, als Beethovens größtes Werk. Im 20. Jahrhundert geriet sie auf einmal in Vergessenheit. Im Jubiläumsjahr wird ihr wieder mehr Raum eingeräumt, besonders in Bonn ("Missa Solemnis" am 22.11.2020 um 17 Uhr in der Kreuzkirche unter Leitung Karin Freist-Wissing.)


An der Klais-Orgel der Schlosskirche spielte LKMD Ulrich Cyganek die selten gespielten Orgelwerke von Beethoven. Eine schöne, aber äußerst schwierig zu spielende Musik, die  laut Dr. Herttrich wahrscheinlich gar nicht für die Orgel konzipiert war. In den Werken klangen Motive aus der Marzellinen-Arie an, die Beethoven erst sechs Jahre später komponiert hatte.  

Als Nachspiel gab es noch das Allegro aus den "Drei Stücken für Mechanische Orgel". Einfach wunderschön!

Den dank an Dr. Herttrich für den Vortrag und Urlich Cyganek für die Orgelmusiken Beethovens drückten die Besucher mit einem langanhaltenden Applaus aus.

Dank auch an das Schlosskirchenteam für die gute Betreuung an diesem Abend.




„Beethoven und die Religion“

Veranstalter: Ev. Forum/ Kirchenkreis/ Ök

Zeit: Mittwoch 5.2.2020, 19 Uhr

Ort: Schlosskirche, Am Hof 1, Bonn

Verantwortliche: Martin Engels/ FSE

Format: Soiree mit Musik. Beispielen, Gellert Lieder, Christus am Ölberg etc.


„Höheres gibt es nicht, als der Gottheit sich mehr als anderen Menschen nähern, und von hier aus die Strahlen der Gottheit unter das Menschengeschlecht verbreiten.“ (Ludwig van Beethoven)

Beethoven war sicher kein Kirchgänger, und die Zahl seiner „geistlichen“ Werke ist überschaubar. Dennoch ist die Bedeutung der Religion für sein Leben und Schaffen eine wesentliche. Davon zeugen der Tiefgang seiner Werke wie die Gellert-Lieder, das Oratorium „Christus am Ölberg“, die Messe in C-Dur oder die große Missa Solemnis. Aber auch die große Zahl an Briefen, Konversationsheften und Tagebüchern, die inzwischen gut erschlossen sind, zeigen das die Beschäftigung mit Religion für Beethoven eine kontinuierliche Spur ist, die sich in seinem Leben verfolgen lässt. Und dabei ist diese Spur zu Teilen sehr aktuell, dort wo sie sich beispielsweise interreligiösen Fragen widmet, etwa in der Beschäftigung mit fernöstlichen Religionen oder dem Zusammenhang von Gott und Natur.

Dr. Ernst Herttrich, der ehemalige Leiter des Beethoven-Archivs in Bonn, hat viele Jahre selbst an der Herausgabe dieser Quellen mitgewirkt und wird uns aus erster Hand in die religiöse Gedankenwelt Beethovens einführen und dabei auch auf die geistlichen Werke eingehen.

Der Landeskirchenmusikdirektor der Ev. Kirche im Rheinland, Ulrich Cyganek, spielt an dem Ort, wo Beethoven Orgel gelernt hat und als Hoforganist gewirkt hat, an der Klais-Orgel Werke von Beethoven, die eher selten zu Gehör kommen.